Archive for the ‘Allgemein’ Category

ohne Worte

Mittwoch, Juli 18th, 2007

“Wittgenstein, for example, was tormented by the fact that a person does not talk about having a pain in his shoe even though he may have had a pain in his foot and his foot is in his shoe. Carroll, had he thought of it, probably would have written of shoes so full of pain that they had to be hospitalized.” (John Allan Paulos, “I Think, therefor i laugh”, S. 9)

Gedanken über Semantik

Dienstag, Mai 1st, 2007

Die semantische Theorie Thomas von Aquins (die er den Texten Aristoteles’ entnommen hat) besagt, dass man nur darüber reden kann, wovon man eine Vorstellung hat. Gegenstand - Vorstellung - Wort. Ich kann mich auf den Gegenstand nur über eine Vorstellung von ihm beziehen.

Diese Aussage muss man auf die richtige Weise verstehen (womit man Thomas nicht gerecht wird): ich kann vielleicht nur über einen Gegenstand reden, wenn ich eine Vorstellung habe. Aber diese Vorstellung, muss nicht von diesem Gegenstand sein, d.h. ihm inhaltlich entsprechen. Ich kann auch eine Vorstellung von seiner Form haben, von einer Eigenschaft, einer Weise der Beschreibung. Z.B. kann ich sehr wohl über (den Gegenstand) Willy Brandt reden, ohne ihn vor mir zu sehen, alleine indem ich sage “der im Jahre 1960 regierende Bürgermeister von Berlin”. Ich mache mir dabei sehr wohl eine Vorstellung, jedoch nicht von dem Gegenstand selbst in seinem Inhalt, sondern eher von einer Beschreibung desselben.
Entspricht dies der semantischen Theorie Ockhams, bei der sich Worte direkt auf den Gegenstand beziehen? Oder eher der semantischen Theorie Freges, die zwischen Gegenstand und Sinn eines Ausdrucks unterscheidet?

Fordert man jedoch, dass sich die Worte sicher auf den Gegenstand beziehen, über den man auch korrekt reden will, so landet man vielleicht wieder leicht bei Thomas von Aquin. Denn braucht man hierzu nicht eine inhaltlich entsprechende Vorstellung des Gegenstandes? Es scheint nicht so zu sein. Wie kommt es dann, dass Wissenschaft über die Welt redet?

Mathematik

Donnerstag, April 19th, 2007

Es ist äußerst faszinierend mit welcher Klarheit und Kreativität in der Mathematik Wissenschaft betrieben wird. Die Schulung in rationaler Methode und Schärfe ist sicherlich einzigartig für diesen Studiengang. Leider ist es zu schade, dass die Mathematiker dieses gewonnene Potential in einem zutiefst uninteressanten und langweiligen Fach anwenden. Man sollte lieber, nachdem man ein Studium der Mathematik abgeschlossen hat, mit der gewonnen logischen Schärfe und Kreativität des Verstandes einen interessanten Themenbereich bearbeiten.

Cogito ergo sum?

Montag, April 9th, 2007

Descartes’ Gedankengang lässt sich vielleich in kurzer Form so darstellen: der Philosoph macht, wenn er seine Erkenntnis von den sinnlichen Dingen auf sich selbst richtet, die Erfahrung, dass er denkt. Insbesondere erfährt er hier seinen Zweifel, der ihn veranlasste, an der Wahrheit der sinnlichen Erkenntnis zu zweifeln. Dieses Zweifeln führt nach Descartes soweit, dass sogar jeder Wahrheitsanspruch angezweifelt werden muss, sogar die Behauptung 1=1. Einen Sachverhalt kann der Zweifel jedoch nicht berühren, nämlich seine eigene Existenz. An der Tatsache, dass ein Zweifel existiert, kann es keinen Zweifel geben. Erkenntnisobjekt und Erkenntnisvorgang fallen hier zusammen. Soweit, so gut.

Descartes’ Analyse geht jedoch noch einen Schritt weiter. Für Descartes ist es in Ansehung des Zweifels nicht nur evident, dass es den Zweifel selbst gibt, sondern auch, dass es ein “Ich” gibt, das zweifelt. Ich zweifele, also bin ich. Dubito ergo sum. Inklusive der übrigen Erfahrungen des Denkens im Selbstbewusstsein, wie abwägen, schließen, usw. ergibt sich die Erkenntnis des cogito ergo sum. Ich habe ein Bewusstsein von einem Bewusstseinsinhalt in einem Bewusstseinakt.

Aber hat Descartes hier wirklich die vorgeblich benutzte Methode des Zweifelens konsequent eingehalten?
Eigentlich darf der Zweifelnde nicht seine sinnliche Erkenntnis in Frage stellen, denn die Unterscheidung in Sinnes- und Verstandeserkenntnis entspringt ja einer philosophischen Erkenntnistheorie, deren Ergebnisse bezweifelt werden müssen. Der Philosoph sollte daher vielleicht eher von alltäglicher Erkenntnis reden. Die im Alltag gemachten Überzeugungen müssen bezweifelt werden, sollte der Zweifel Methode haben. So gehörte wohl die Unterscheidung in Sinnes- und Verstandeserkenntis zum Alltag Descartes’ als Philosophen.

Ebenso gehört zum Alltag des in der abendländischen Kultur beheimateten Menschen die Vorstellung vom ego cogito. Ich denke, ich rede, ich esse, ich schlafe, ich zweifele, ich bin. Der phänomenologische Befund enthält dieses Ergebnis jedoch noch nicht. Erfahren wird der Akt des Zweifelns. Von diesem Befund aus macht der abendländische Philosoph aufgrund seiner Alltagsüberzeugung die Überzeugung “Ich zweifele”. Wobei ihm dieses “Ich” im höchsten Maße unbekannt ist. Er weiß überhaupt nicht, was es ist, dieses “Ich”. Das einzige, was er weiß, ist, dass es eben zweifelt, denkt, abwägt, urteilt, schließt usw. Daher macht er die Befunde einfach zu seinem Wesen und sagt, dass “Ich” sei eben das, was zweifelt, denkt, abwägt, urteilt, schließt usw. Diese Tätigkeiten werden unter dem Begriff des “Geistigen” zusammengefasst und das “Ich” ist dann das, was diese “geistigen” Tätigkeiten ausübt, also “Geist”. Jetzt noch die philosophische Überzeugung der Substanzmetaphysik und voìla, geboren ist die geistige Substanz, res cogitans.

Mindestens zweimal wurde hierbei die Methode des Zweifels umgangen. Zum Ersten bei der unangezweifelten Übernahme der Alltagserfahrung des “Ichs” als Ausgangspunkt der Vorgänge des Bewusstsein. Zum Zweiten bei der Übernahme der Substanzialität des Ichs als ontologisches Fundament dieser Alltagsüberzeugung.

Der Schluss erinnert an den platonischen. Weil es Wahres gibt, gibt es die Wahrheit als Ausgangspunkt, sozusagen als Quelle, aus der das Wahre ausfließt. Ebenso gibt es das Gerechte nur aufgrund der Gerechtigkeit. Was ist aber das Wesen der Gerechtigkeit? Eben das Gerechte. Der phänomenologische Befund wird zum Wesen stilisiert in einem zweifelhaften Schluss von dem, was erfahren wird auf etwas Anderes, was hinter der Erfahrung stehen soll.

Ebenso der Schluss Descartes’: Weil es das Denken gibt, gibt es ein Denkendes. Was ist das Wesen des Denkenden? Dass es denkt.

Hier wird eigentlich nichts gesagt. Es bezeugt sich lediglich der kindliche Greifreflex. Es wird konstruiert, ein Fundament gebaut für das Haus der Wissenschaften. Für das Dasein und die Erfahrung des Menschen von sich selbst ist hier nichts gewonnen. Es scheint im Gegenteil ein angemessenes Verständnis des Menschen verbaut durch die Annahme einer geistigen Substanz.