Arete bei Aristoteles
Freitag, Mai 23rd, 2008Kurze Übersicht über die aristotelische Einteilung der Tugenden (aretei) in der Nikomachischen Ethik
Kurze Übersicht über die aristotelische Einteilung der Tugenden (aretei) in der Nikomachischen Ethik
(Radikal-)Konstruktivistische Erkenntnistheorie Ernst von Glasersfelds
Mit Blick auf Konsequenzen für Lehre (=Wissensvermittlung?)
Übersicht über die wichtigsten Konzepte in der Diskussion um Gottes Vorherwissen von zukünftigem Kontingenten von der Antike bis ins frühe Mittelalter: Aristoteles - Augustinus - Boethius
Wurzeln der Diskussion um Gottes Vorherwissen von zukünftigem Kontingentem
Ich stelle in loser Reihenfolge mal ein paar hausgemachte Concept Maps zu verschiedenen Themen aus.
Gut um den Überblick zu behalten :)
[Aufgepasst, hinter den Links stecken große pdf-Dateien!]
“[…] Ich glaube, ohne Hindernisse sieht man nicht über seine eigene Nase hinaus, kann man nicht über sich hinaus gehen. Jedesmal, wenn man vor einem Hindernis steht - klar man ist menschlich, beklagt man sich, leidet und bedauert dieses Hindernis. Wenn man aber die Kraft hat, es zu überwinden oder zu zerstören, dann wird einem klar, dass einem nicht Besseres passieren konnte.
Eine Zivilisation, die ihre Zeit damit verbringt, vor den Leuten Hindernisse wegzuräumen, ist eine Welt von kastrierten Menschen. Es ist eine Welt, in der der Mensch das Wichtigste verpasst. Man muss Mauern begegnen und diese Mauern durchbrechen. Eine Zivilisation der oberflächlichen Vergnügungen, wo alles leicht zu haben ist, wo einem alles angeboten wird und alles sicher scheint, ist ein Zivilisation, die den Menschen tief zerstört, mehr als alle Selbstentfremdung, mehr als alle Geistesgestörtheit. […]”
[Maurice Béjart: Auszüge aus einem Gespräch, in: “Sangha. Nachrichten der Association Zen Internationale”, 5 (Dezember 2007), S.9]
Die moderne Technik, man denke hier an das Paradebeispiel des Versuchsaufbaus, lehrt uns, die Situation vorzubereiten, damit das gewünschte Ergebnis verwirklicht wird. Und darüber vergessen die Menschen, dass es im alltäglichen Leben, insbesondere im Umgang mit Menschen, nicht möglich ist, die Situation vorzubereiten. Vorbereiten kann man hier nur sich selbst, damit sich die Situation zufriedenstellend entwickelt.
Von einem Autoren wird berichtet, er habe auf den Vorwurf, daß seine Lehre seiner Lebensart widerspreche, daß er Wasser predige, aber Wein trinke, so geantwortet: Ich bin ein Wegweiser; von diesem aber kann nicht verlangt werden, daß er den gewiesenen Weg auch geht.
Armer Mensch, ob ihm wohl bewusst war, wie sehr er sein eigenes Wesen mit dieser Aussage reduziert hat: “Ich bin ein Wegweiser”, also ein Stück Holz, vielleicht Pappe, dass stumm herumsteht und die Botschaft verbreitet, die ein anderer darauf geschrieben hat? Und das soll der Mensch sein, oder zumindest der Urherber des Zitats?
Das ist definitiv falsch, der Mensch ist kein Wegweiser. Obwohl er die Möglichkeit hat, sich als Wegweiser zu sehen, sich darauf zu reduzieren.
Vielleicht wird man dem Zitierten gerechter, wenn man das Zitat als Ausdruck seiner Bescheidenheit auffaßt. Vielleicht meint er, sein Wissen komme nicht von ihm, sondern er spreche nur aus, wie es (objektiv ) ist.
Es macht keinen Unterschied, seine Ansicht ist in beiden Fällen unrealistisch, sie verkennt die Realität des Menschen. In Anbetracht der Tatsache, dass es unzählige verschiedene Möglichkeiten gibt, den gleichen Sachenverhalt auszudrücken, wird die “bescheidene Interpretation” unrealistisch. (Man kann den Sachverhalt z.B. von einem höheren, d.h. weniger ins Detail gehenden Standpunkt betrachten oder mehr auf das Problem schauen.)
Was ein Mensch sagt, enthält sicher Objektivität. Sonst könnten wir überhaupt nicht miteinander reden, Anweisungen geben, den anderen verstehen usw.
Aber was ein Mensch sagt, ist immer ein Ausdruck von dem, was er ist. Vielleicht trägt alles, was ein Mensch ist, zu dem Gesagten bei. Zumindest das, was er in dem Moment ist. Der aktualisierte Teil seiner Möglichkeiten sozusagen.
Entweder ist also die Aussage falsch, dass der Mensch nur ein Wegweiser ist, wenn er so spricht (was die “Lehre” des Autors konkret ist, ist nicht so wichtig: vielleicht eine ethische Anweisung, ein moralischer Rüffel, eine philosophische Analyse).
Oder er hat nur einen kleinen Teil von sich sprechen lassen. Er hat sich nicht nur in der Perspektive auf einen Wegweiser reduziert, sondern auch in der Wirklichkeit. Er hat mit diesen Worten nur einen kleinen Teil seiner Möglichkeiten in die Aktualität gesetzt.
Dann ist er vielleicht ehrlich, aber nicht aufrichtig. Dann fehlt das Bemühen, eine bestmögliche Philosophie zu machen. Eine Philosophie, die so weit und tief wie das Wesen des Menschen ist. Die alle Möglichkeiten mit einbezieht.
Daher entwirft der Weise auch kein System: Weil er die Aussagen aus der Fülle und Tiefe seiner Existenz, seiner Lebenserfahrung (5 Milliarden Nervenzellen + jahrelange Verschaltungstätigkeit inkl. jede Menge Feintuning) schöpft, anstatt sie aus einem System abzuleiten, das womöglich auch noch in ein Bücherregal passt.
Eine Bedingung hierfür ist natürlich Vertrauen in die positive Wirkung des Lebens, der Erfahrung. Und die Bedingung hierfür ist (einen hinreichend kritischen Verstand vorausgesetzt) ein positiv wirkendes Leben, ein Aufnehmen von Erfahrungen, ein beständiges Lernen, wofür ein gesunder Körper und ein guter Lebensrythmus sicherlich zuträglich sind. Das wussten z.B die Stoiker sehr gut.
Also war es anscheinend nur eine faule Ausrede. Wie so oft.
Die Welt ist im Fluss. Sie fließt durch den Menschen hindurch. Der Mensch hat verschiedene Möglichkeiten, mit diesem Fluss umzugehen. Er kann ihm Gegenstände entgegenstellen, Verwirbelungen erzeugen, konstante Strukturen aufbauen. Aber der Fluss geht weiter, das Leben fließt weiter und jeder Wirbel lößt sich wieder auf, jede konstante Struktur vergeht. (manche Strukturen (vielleicht die allgemeinsten) bestehen sehr lange). Diese konstanten Strukturen werden zu Problemen, weil ihr Wesen darin besteht, konstant zu sein, sie es aber nicht sein können.
Man kann sich aber auch treiben lassen (das ist nicht trivial zu verstehen, als Passivität, rumhängen). Mit dem Fluss fließen. Das Leben durch sich hindurch fließen lassen, ohne es ständig aufzuwirbeln. Dann entstehen die Probleme nicht. Aber dieser Zustand ist auch nicht konstant und die Vorstellung davon ist selbst ein Wirbel. Sowie die Vorstellung, diesen Zustand erreicht zu haben.
Man fließt beständig durch Wirbel hindurch. Aber man kann sich und das Leben beruhigt weiterfließen lassen. Man muss nicht in jedem Wirbel steckenbleiben und sich darin ständig im Kreis drehen.
Das ist das Beruhigende am Leben. Vielleich ist das auch “Glück”, der gute Fluss, wie ihn die Stoa nennt.
In dem Moment, in dem man die Welt ändern will, hat man schon aufgehört, sie so zu sehen, wie sie ist.
Die Absicht, sprituelle Erfahrungen mit der Einnahme von bewusstseinverändernden Drogen hervorzurufen, lässt sich vielleicht vergleichen mit dem Versuch, eine Gruppe von Mitwissern mit der Zahlung von Geld zum Schweigen zu bringen.
In der spirituellen Erfahrung wird das individuelle Bewusstsein zum Schweigen gebracht, um das universelle Bewusstsein aufscheinen zu lassen. Dieses kann man Gott oder kosmische Energie, Allnatur oder wie immer man möchte nennen. Entsprechend kann man das individuelle Bewusstsein auch als Erbsünde, Regulationsmechanismus des Gehirns oder Beschränktheit der endlichen Natur bezeichnen.
In jedem Fall ist es fraglich, ob sich dieses durch einen einmaligen, evtl. drastischen Eingriff dauerhaft beruhigen lässt. Es ist, wie die Bande von Mitwissern, ständig anwesend, in Bewegung, flexibel, lässt sich gerne verwöhnen. Insbesondere “sprituelle Erfahrungen” sind ein angenehmes Futter zum dick und faul werden.
Vielleicht ist ja aus diesem Grund jede spirituelle Erfahrung, die man macht, ein Schritt weiter weg vom Ursprung spiritueller Erfahrung, dem Frieden in der Gewissheit, nichts Höherem zu bedürfen, da die Realität in diesem Moment alles beinhaltet. Zumindest alles, was man Realität werden lassen kann und damit alles, was sich sinnvoll erstreben lässt.
Aber genau wie derjenige, der etwas anstellt, schon damals nicht zufrieden war mit dem, was er hatte, wird er sich auch nach der Tat nicht mit einer einmaligen Zahlung abspeisen lassen. Die Mitwisserschaft gibt ihm nur neue Mittel in die Hand und die Katze beißt sich in den Schwanz. Immer wieder, bis sie stirbt. Oder sich legt sich gleich hin und schaut dem Leben zu. Aber wann, wenn nicht jetzt?
Katzen scheinen ja in dieser Hinsicht vielen Menschen etwas Voraus zu haben.