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Gedanken über Semantik

Dienstag, Mai 1st, 2007

Die semantische Theorie Thomas von Aquins (die er den Texten Aristoteles’ entnommen hat) besagt, dass man nur darüber reden kann, wovon man eine Vorstellung hat. Gegenstand - Vorstellung - Wort. Ich kann mich auf den Gegenstand nur über eine Vorstellung von ihm beziehen.

Diese Aussage muss man auf die richtige Weise verstehen (womit man Thomas nicht gerecht wird): ich kann vielleicht nur über einen Gegenstand reden, wenn ich eine Vorstellung habe. Aber diese Vorstellung, muss nicht von diesem Gegenstand sein, d.h. ihm inhaltlich entsprechen. Ich kann auch eine Vorstellung von seiner Form haben, von einer Eigenschaft, einer Weise der Beschreibung. Z.B. kann ich sehr wohl über (den Gegenstand) Willy Brandt reden, ohne ihn vor mir zu sehen, alleine indem ich sage “der im Jahre 1960 regierende Bürgermeister von Berlin”. Ich mache mir dabei sehr wohl eine Vorstellung, jedoch nicht von dem Gegenstand selbst in seinem Inhalt, sondern eher von einer Beschreibung desselben.
Entspricht dies der semantischen Theorie Ockhams, bei der sich Worte direkt auf den Gegenstand beziehen? Oder eher der semantischen Theorie Freges, die zwischen Gegenstand und Sinn eines Ausdrucks unterscheidet?

Fordert man jedoch, dass sich die Worte sicher auf den Gegenstand beziehen, über den man auch korrekt reden will, so landet man vielleicht wieder leicht bei Thomas von Aquin. Denn braucht man hierzu nicht eine inhaltlich entsprechende Vorstellung des Gegenstandes? Es scheint nicht so zu sein. Wie kommt es dann, dass Wissenschaft über die Welt redet?