Ich hatte in Xi’an endlich die Gelegenheit, mit juengeren Chinesen ins Gespraech zu kommen und hab mir schon zwei sehr interessante Geschichten erzaehlen lassen:
In der Jugendherberge habe ich einen jungen Chinesen kennengelernt, der in Xi’an studiert. Seine Eltern sind Bauern und kommen von einem Dorf in der Gegend von Xi’an (in das uebrigens Auslaender nicht rein duerfen!). Er hat einen Aufnahmetest fuer die Universitaet nicht bestanden. Deshalb hat er sich fuer viel Geld (wie er gesagt hat) in einer Militaeruniversitaet eingeschrieben. Jetzt hat er einen dichten Stundenplan und einen Militaerausweis. Damit kommt er ueberall kostenlos rein, wo alle anderen Chinesen Eintritt zahlen muessen.
Wir sind auf das Thema Philosophie gekommen und er meinte seine Philosophie waere “always happy, everyday”. Wenn er nicht “happy” ist, dann denkt er daran, sich umzubringen. Er hat gesagt, er hat schon einige Selbstmorde in seinem Umfeld und (wenn ich richtig verstanden hab) auch in seinem Freundeskreis miterlebt. Als ich gemeint hab, dass ich noch von keinem in meinem Umkreis in Deutschland gehoert hab, hat er unglaeubig geschaut.
Sein Plan ist es, so viel Geld wie moeglich zu verdienen, eine eigene Firma zu haben und dann in der ganzen Welt herumzureisen. Er will eine “westliche” Frau, weil er meint, die Chinesinnen haetten alle kein Interesse an ihm, weil sie alle auf “westliche” Maenner stehen.
Die zweite Begegnung hatten Joseph (war mit mir auf dem Berg, mit Bart) und ich gestern Nacht in der Bar in unserer Jugendherberge. Als wir um zwei an der Bar gesessen haben, hat sich eine junge Chinesin neben uns gesetzt und Milch getrunken. Wir sind dann ins Gespraech gekommen und sie hat uns erzaehlt, dass sie nicht schlafen kann. Sie studiert eigentlich Jura in Peking, ist aber “abgehauen”, d.h. sie ist nach Xi’an gefahren, ohne ihren Eltern und Freunden vorher etwas zu sagen.
Sie hat keine Lust mehr, Jura zu studieren, sondern will lieber Englisch studieren (ihr Englisch war wirklich verdammt gut!). Ihren Eltern hat sie am Telefon gesagt, dass sie noch in Peking ist. Ihre Eltern wollen, dass sie Jura studiert, weil sie damit viel Geld verdienen kann.
Ihr vorheriger Freund war Schlagzeuger in einer Band und sie hat ihn in einem Zug kennengelernt. Aber ihre Eltern meinten, dass waere kein guter Ort, sich kennenzulernen. Sie sollte ihn verlassen und sich einen Mann suchen, der Geld und ein Auto und einen guten Job hat. Sie hat ihren Freund schliesslich verlassen, aber wenn ich es richtig verstanden hab, waren nicht ihre Eltern der Hauptgrund dafuer.
So, ich will keine der beiden Geschichten bewerten. Aber ich dachte, es interessiert euch vielleicht. Ich finde es wahnsinnig interessant und werde weiter forschen auf der Suche nach der “chinesischen Seele”…